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Buchkritik #1 – Reise zum Mittelpunkt der Erde

Quick facts

  • Verfasser: Jules Verne
  • Jahr der Veröffentlichung: 1864
  • Originalsprache: Französisch, „Voyage au centre de la terre“
  • Gelesen auf: Deutsch
  • Übersetzung von: Volker Dehs (2010)

Inhalt

In dem 1864 erschienenen Roman „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne geht es um – Überraschung – eine Reise zum Mittelpunkt der Erde. War das schön, als Bücher noch sprechende Titel hatten! Spaß beiseite.
Im Buch macht sich der renommierte Wissenschaftler der Geologie und Mineralogie Prof. Otto Lidenbrock zusammen mit seinem Neffen Axel, dem Ich-Erzähler des Romans, auf den Weg nach Island, um dort den Snæfellsjökull hinabzusteigen und an seinem Grund hoffentlich den Weg zum Erdinneren zu finden. Warum gerade dort? Der Reise geht die Entdeckung eines mysteriösen Dokuments eines „Arne Saknussem“ voraus, der angeblich bereits diesen Weg eingeschlagen und den Erdmittelpunkt erreicht hat. Dabei stellte sich das Entziffern des in Runen verfassten Schriftstücks als mindestens so kompliziert wie die Reise nach Island an sich heraus.
Auf Island angekommen, begeben sich Professor und Neffe dann zusammen mit ihrem getreuen Führer Hans zum Vulkan und steigen diesen auch hinab. Ob sie wohl den Mittelpunkt der Erde erreichen werden?

Kritik

Die Antwort auf die vorangehende Frage weiß ich auch nach der Lektüre des Buches nicht ganz sicher. Die letzten 30 Seiten meiner Ausgabe befassen sich ausschließlich mit der Rückkehr zur Erdoberfläche, und lediglich ganz am Ende gibt es dann noch einen kleinen Plottwist, der dann die Frage aufwirft, ob die beiden es nicht vielleicht doch geschafft haben.
Grundsätzlich hat mir das Buch durchaus gefallen. Sprache und Stil muten möglicherweise etwas altmodisch an, aber das gefällt mir persönlich meistens ganz gut. Es gibt viele Verweise auf unterschiedliche wissenschaftliche Theorien und Fachgebiete, man lernt etwas über die Erdzeitalter, über Evolution und natürlich auch über den Stand der Dinge in der Wissenschaft zu Vernes Zeiten – das regt mitunter zum Schmunzeln an, wissen wir doch heutzutage bereits einiges mehr, zum Beispiel über den Erdkern.
Daher ist auch klar, dass die Geschichte reine Fiktion ist – aber unterhaltsam ist sie doch. Der exzentrische Professor, der stoische Isländer, der wankelmütige Jüngling – und natürlich darf auch eine kleine Liebesgeschichte nicht fehlen. Auf die hätte meinetwegen auch verzichtet werden können, aber nunja, damals war das wahrscheinlich einfach so.
Meine Version ist eine kommentierte, wodurch ich viele Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte, bequem hinten im Buch nachschlagen konnte und entsprechend immer verstanden habe, worum es in der Geschichte gerade ging. Aus den Anmerkungen ging aber auch hervor, dass Jules Verne es mit seinen Recherchen nicht immer so ganz genau genommen hat – etwas, das mir selbst beim Lesen auch aufgefallen war. Ich habe Skandinavistik studiert, kann Runen lesen und sowohl Dänisch und Schwedisch als auch Isländisch verstehen – daher sind mir insbesondere bei dem Dokument des Arne Saknussemm als auch bei der von Verne beschriebenen Sprache Dinge aufgefallen, die nicht so ganz plausibel waren. Zunächst mal wurden Runen nicht geschrieben, sondern überwiegend in harte Oberflächen geritzt – wie bei den bekannten Runensteinen. Außerdem verwendet man bei der Runenschrift keine Doppelkonsonaten oder -vokale. Man kann natürlich argumentieren, dass Herr Saknussemm sich nur der mysteriösen Schrift seiner ältesten Vorfahren bediente, um seine gegenwärtige Sprache zu codieren. Und das ist ja auch okay. Fiel mir halt nur so auf. Außerdem hat Verne den Reiseführer Hans bequem Dänisch sprechen lassen (das im Großteil der Fälle allerdings auch eher Schwedisch ist), und nicht etwa Isländisch. Es wäre aber auch vielleicht ein bisschen viel verlangt, wenn sich ein Franzose im 19. Jahrhundert Isländisch draufschafft, nur, um ein authentisches Buch zu schreiben.
Auf der anderen Seite hat das Buch bei mir wieder eine große Sehnsucht nach Island geweckt. Gerade die Beschreibungen des alten Reykjavík fand ich sehr beschaulich.

Fazit

Insgesamt ein durchaus lesenswertes Buch, das einen gerade zum Ende hin in seinen Bann zieht und auch unvorhergesehene Wendungen bereithält. Es liefert einen spannenden Einblick in den Stand der Wissenschaft zu der Zeit des Erscheinens und kommentiert dies auch teilweise mit einem Augenzwinkern. Eine unterhaltsame Lektüre.

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