Urlaub auf Sardinien

Wir wollten den Feiertag bestmöglich nutzen und entschlossen uns daher, ein paar schöne Tage auf Sardinien zu verbringen, bevor der Herbst endgültig zuhause einkehrt. Ich hatte vor einiger Zeit eine Reportage über Sardinien gesehen und wollte unbedingt mal hin. Als wir dann unseren Freunden und Arbeitskollegen von unseren Plänen berichteten, waren auch alle total begeistert, O-Ton: „Da wollte ich auch schon immer mal hin!“ 

04.10.18

Anreisetag. Um möglichst günstig davonzukommen, buchte ich Flüge bei einer Billig-Airline, bei der unglücklicherweise wenige Tage vor unserem Flug das Personal streikte. Zum Glück betraf uns das aber nicht. Dafür hatten wir keinen Direktflug, sondern mussten in Bergamo umsteigen – fünf Stunden Wartezeit inklusive. Das war schon ziemlich öde. Als wir dann endlich um 19:15 in Cagliari gelandet waren, haben wir noch schnell den Mietwagen geholt (wobei alles glatt lief) und düsten los zu unserer ersten Unterkunft, Casa Rosino in Dolianova.

Der Weg dorthin war ein reines Abenteuer und ich war froh, dass wir noch zusätzlich Vollkasko zum Mietwagen gebucht hatten. Zumindest ein Klischee über Italiener hat sich bestätigt: Die fahren teilweise wie die Besenkten. Tempolimits werden locker um 40–50 km/h überschritten, rasante Überholmanöver an unmöglichen Stellen vollzogen und es wird so dicht aufgefahren, dass man nicht mal mehr das Emblem des Autos hinter einem im Rückspiegel sehen kann.
Kurz: Ich war froh, als wir unbeschadet im Bed and Breakfast ankamen. Doch dann wieder etwas Unsicherheit: Das Haus war stockdunkel. Auf unser Klingeln tat sich auch nichts. Mit klopfendem Herzen rief ich bei der angegebenen Nummer an und bekam eine Frau dran, die kein Wort Englisch sprach. Nach einigem Hin und Her kam dann aber doch ein rundlicher kleiner Herr an die Tür, der uns mit einem freundlichen „Mi scusi!“ begrüßte. Er sprach auch nur wenig Englisch, also hangelten wir uns mit Französisch, holprigem Italienisch und Google-Übersetzer an der Unterhaltung entlang. Es stellte sich heraus, dass eigentlich seine Frau für die Übernachtungen zuständig war, sie aber gerade verreist war. Er war sichtlich bemüht, den holprigen Start wieder gutzumachen und bot uns Bier und frische Früchte an. Am nächsten Morgen hatte er auch ein sehr liebevolles Frühstück für uns vorbereitet, mit allem Drum und Dran. Sogar ein paar Brote für die Reise hatte er uns geschmiert! Ich war fast ein bisschen gerührt. Das Zimmer war auch total in Ordnung.

05.10.18

Unser erster kompletter Tag auf Sardinien – und es regnete. Grmpf. Zum Glück mussten wir uns mit dem Auschecken nicht beeilen und machten uns daher ganz entspannt auf den Weg zu unserem Airbnb in Santa Maria Navarrese. Zwischendurch hörte der Regen auch auf und da wir viel Zeit hatten, hielten wir auf dem Weg noch in Solanas an. Hier war ziemliche Überschwemmung, aber wir machten uns dennoch auf den Weg zu einem Geocache, der in einem alten Wachturm auf einer Klippe sein sollte. Wir fanden ihn zwar leider nicht, hatten aber einen tollen Ausblick auf die Cala Pisanu und das Mittelmeer. Das Wasser war so unglaublich türkis, das kommt auf den Bildern leider nicht so rüber. Und hier kündigte sich auch bereits an, dass überall auf Sardinien Deutsche anzutreffen sind, denn es gab den Abend zuvor wohl ein Geocacher-Event, das von einem deutschen Cacherpaar ins Leben gerufen wurde. Und überall nur deutsche Wohnmobile. 

Von Solanas fuhren wir dann bis nach Santa Maria Navarrese durch. Sardinien ist ja nicht so groß, daher waren wir innerhalb von zwei Stunden da. Der Ort ist sehr schön, relativ klein, aber mit allem, was man so braucht. An dem Wochenende, an dem wir da waren, fand dort so ein Trail Run statt, deshalb waren auch hier Outdoor-Junkies aus aller Herren Länder vertreten. Überwiegend natürlich Deutsche. Unser Airbnb war auch super, unsere Vermieterin Marina supernett und hilfsbereit und unsere Nachbarn Klaus und Gabi aus Köln (:D) waren auch sehr freundlich.

 

Abends erkundeten wir dann den Ort, schauten uns auch hier einen alten Wachturm an, aßen Eis und Pizza und tranken Rotwein. Alles war unglaublich lecker, sodass wir beide Angst hatten, zurück in Deutschland für alles „Italienische“ verdorben zu sein. Wir konnten dank der milden Temperaturen auch noch bis spät abends auf unserer Terrasse sitzen und Wein trinken. Sehr schön. 

06.10.18

Am Samstag fuhren wir auf den Rat unserer Vermieterin Marina hin in die Berge Richtung Baunei, auf das Golgo-Plateau zum Parkplatz Su Porteddu, von dem aus wir eine ausgiebige, sehr steile Wanderung zur Cala Goloritzé machten.  Dort gab es einen wunderschönen, versteckt gelegenen Strand, der nur per Boot oder zu Fuß zu erreichen ist. Leider hatte es vorher tagelang geregnet, sodass an diesem sehr warmen und sonnigen Tag alles an die Strände strömte.  Dementsprechend voll war es dann dort. Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen, im Mittelmeer zu baden, bevor wir uns wieder auf den steilen Rückweg machten. 

Der Ausblick war überall immer wahnsinnig schön. Uns gefiel die steinige, aber dennoch sehr lebendige und atemberaubende Landschaft wirklich sehr. Im Ort Baunei wurden wir von zwei Italienerinnen angesprochen, die an besagtem Trail Run teilgenommen hatten. Sie wollten gern mit zurück nach Santa Maria Navarrese, also haben wir die beiden kurzerhand mitgenommen. Unterwegs machten die beiden noch Fotos von uns, das war sehr praktisch. Abends kochten wir dann total kaputt nur noch Spaghetti aglio oilo und fielen todmüde ins Bett.

07.10.18

Heute stand die nächste Wanderung auf dem Plan. Diesmal ließen wir das Auto stehen und brachen zu Fuß zur Pedra Longa auf. Vorher wollten wir eigentlich noch auf den Monte Oro, aber als wir dort ankamen, war der Weg nach oben eine nicht besonders vertrauenserweckende Geröllpiste, die durch die vorhergegangenen Regenfälle auch sehr ausgewaschen war. Da mussten wir ehrlich zugeben, dass das nicht unseren Wanderskills entsprach und den Umweg über den Gipfel weglassen. Stattdessen pausierten wir kurz in einem Lokal an der Straße zur Pedra Longa, nicht ohne auch dort ein deutsches Paar zu treffen, und wanderten anschließend weiter. Bisher war der Weg sehr steil, uneben und auch ein bisschen gefährlich gewesen, mit vielen aus dem Boden ragenden Wurzeln als Stolperfallen und ausufernden Büschen. Anderen schien dies allerdings nicht so viel auszumachen – auf dem ersten Stück standen wir plötzlich einer Kuh gegenüber, die mitten im Dorngebüsch stand und in aller Ruhe wiederkäute. Auf dem letzten, zum Glück asphaltierten, Stück trafen wir dann auf etliche Ziegen, die fröhlich die Hänge hoch und runter bimmelten. Da gab es viel zu fotografieren und deswegen kamen wir dann auch erst relativ spät bei der Pedra Longa an. Wir entschlossen uns, das beworbene Restaurant dort nicht zu besuchen, um noch im Hellen zuhause anzukommen. Das war auch eine gute Idee, wie sich herausstellen sollte, denn den Weg, der in unserer App gekennzeichnet war, gab es so nicht mehr und wir mussten ein bisschen gucken, wo wir denn hin mussten. Aber wieder einmal entschädigte uns der Ausblick für alles. Trotzdem war es dann schon dunkel, als wir wieder am Airbnb ankamen. Wir machten uns noch auf den Weg zu einem typisch sardischen Restaurant, wo André ein Eselsteak aß. Für mich gabs ganz klassisch Rind.

08.10.18

Nun war der Aufenthalt in Santa Maria Navarrese wieder vorbei – schade! Und viel zu kurz, da waren wir uns einig. Wir müssen unbedingt noch mal wiederkommen, diesmal dann auch für länger. Die paar Tage waren echt zu kurz für diese tolle Insel.
Wir brachen morgens wieder Richtung Cagliari auf, wo wir ein Bed and Breakfast für die letzte Nacht gemietet hatten. Da unser Flug am nächsten Tag um 06:30 ging, mussten wir so nah am Flughafen wie möglich übernachten. Auf dem Weg zurück wurden wir zunächst von der Polizei angehalten und kontrolliert, das war aufregend, aber nicht weiter schlimm. Wir hielten noch kurz in Arbatax, um dort einen Geocache einzusammeln, und in San Giovanni bei Muravera, um auch dort zu cachen und noch ein letztes Mal zu baden.
Schon etwas wehmütig checkten wir dann im Bed and Breakfast ein, brachten den Mietwagen zurück, holten uns noch eine Pizza und gingen dann zeitig ins Bett, da um vier ja der Wecker klingelte.

09.10.18

Die Rückreise war unspektakulär, aber langweilig. Nächstes Mal geben wir ein paar Euro mehr aus und sparen uns die fünf Stunden Wartezeit am Flughafen in Bergamo, denn die hatten wir auch dieses Mal. Zum Glück konnten wir einen Steckdosenplatz ergattern, sodass wir schon mal die Fotos vorsortieren konnten. Gegen 16 Uhr waren wir wieder zuhause – kaputt, glücklich, etwas wehmütig, aber fest entschlossen, noch mal hinzufahren!

 

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